#DystopieOderRealität

 

Eine Gesellschaft, in der der Wert eines Menschenlebens nur noch an der Leistung gemessen wird, die man bringen kann. Willkommen in Last Haven! Hier muss jeder seinen Beitrag leisten. Systemschmarotzer, die dem Staat auf der Tasche liegen, sind  nicht erwünscht.

 

Eine Dystopie, natürlich. Eine düstere Zukunftsvision, die zwar Stoff für spannende Geschichten liefert, aber hoffentlich nie eintritt. Aber ist eine Entwicklung der Gesellschaft in diese Richtung denn so abwegig?

Nein, ist sie nicht. Zumindest höre und lese ich das des Öfteren in den Rezensionen zum Buch. „Erschreckend realistisch“, heißt es da zum Beispiel immer wieder und der ein oder andere sieht schon jetzt deutliche Parallelen zwischen meiner fiktiven Zukunftsgesellschaft und der Gegenwart.

 

Das hat mich neugierig gemacht und ich wollte es genauer wissen: Wieviel Realität steckt denn bereits in „Last Haven“? Sind wir schon jetzt nur noch Arbeitsmaschinen, die ganz schnell in der Kategorie Ausschuss landen, wenn sie nicht mehr einwandfrei funktionieren?

 

Auf Facebook habe ich die Aktion #DystopieOderRealität gestartet, um von den Menschen zu hören, welche Erfahrungen sie ganz persönlich zum Thema Leistungsdruck gemacht haben. Und die Antworten waren beunruhigend.

 

 

Überheblichkeit gegenüber Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss. Schräge Blicke für Mütter, die ihre Zeit lieber für die Kinderbetreuung verwenden als für die Karriere. Leistungsdruck schon für die ganz Kleinen, die bereits heute auf ihre spätere Berufslaufbahn vorbereitet werden, anstatt unbeschwert ihre Kindheit genießen zu können. Sogar die Inkaufnahme von schweren gesundheitlichen Folgen, um im Job nicht auszufallen.

 

 

Zugegeben – überrascht haben mich die Antworten nicht. Es sind genau solche Beobachtungen, diese Geschichten, die ich selbst in der Arbeit erlebt oder die mir von Freunden, Familie und Bekannten erzählt wurden, die mich zum Schreiben meiner Dystopie „Last Haven“ motiviert haben. Sie machen mir Sorgen. Und ich hoffe, dass diese Entwicklung auch andere nachdenklich stimmt. Denn wie man sieht, geht die Idealisierung von Leistungsfähigkeit häufig Hand in Hand mit einer Herabwürdigung von fehlender Leistungsfähigkeit. Und für die kann es zahlreiche Gründe geben: Alter, Krankheit, Unfälle, Behinderungen, … Keiner davon darf dazu führen, dass ein Mensch als weniger wert betrachtet wird.